Sie sind zu schnell, um greifbar zu sein. Und pfeifen deshalb auf viele Regeln der Straßenverkehrsordnung: Fahrradboten sind die vermutlich letzten Rebellen im Großstadtverkehr.
An ihnen scheiden sich die Geister: Für alle, die Dinge schnell durch den Stau von A nach B gebracht brauchen, sind sie Retter in der Not, für im Stau dünstende Autofahrer oft die Inkarnation des Radrowdys. Und also ein Feindbild: Wie ungerecht ist eine Welt, in der einer, der viel Geld für seine Mobilität zahlt, feststeckt und von einem Nobody auf dem Fahrrad dafür auch noch verlacht wird? Schlimmer noch: Wie gemein ist es, wenn man im maskulinen Sportcabrio nicht beachtet wird, weil die Mädchen im Straßencafé dem dreadlockigen Knackarsch am dreckigen Mountainbike nachschauen?
„Vor 20 Jahren war ich einer von ihnen. Für etwa drei Tage. Dann waren sie mir zu schnell - und ich beschloss, lieber Geschichten über Fahrradboten zu machen: damals, vor 20 Jahren, im ORF-Radio, später (1994) bei der Fahrradboten-WM in London für das Profil und jetzt auch wieder: Fahrradboten sind die wilden Kerle, die all denen, die einander, weil sie schnell sein wollen, mit teurem Blech gegenseitig den Weg versperren, zeigen, dass der Igel auch in der Stadt meist schneller ist, als der Hase. Weil er sich mit hellem Köpfchen statt mit purer Kraft fortbewegt“, so der Autor Thomas Rottenberg.
Medienecho:
Die Autoren haben einen Blick hinter die Kulissen des 1. österr. Fahrradbotendienstes gewagt und neben Anekdoten und Insidergeschichten auch Hintergrundberichte und Fakten recherchiert.
Der Standard, Wien (5. November 2007)